Die Geschichte eines 1,45 € günstigen vServers

Anfang 2015 wurde unter united-itsolutions.com ein vServer beworben, der mit 4 vCores und 1 GB Arbeitsspeicher nur 1,45€ im Monat kosten sollte. Auch wenn die Preise in den letzten Jahren in diesem Bereich nur eines sind, nämlich gefallen, war ich gegenüber dem Angebot doch sehr skeptisch. Dennoch konnte ich mich nicht beherrschen und habe einen für zunächst drei Monate gemietet.

Die erste Überraschung erlebte ich beim Bezahlen. Zwar gab es bei der vierteljährigen Abrechnung noch einen Rabatt, sodass drei Monate nur 3,95 € statt 4,35 € kosteten, doch kamen noch Gebühren für die Zahlungsart von 0,43 € hinzu. Das ist zwar nicht viel, da es jedoch bei der Bestellung nicht aufgelistet wurde, fühlte ich mich schon ein wenig getäuscht. Ausgeliefert wurde der vServer dann nach etwas mehr als einer Stunde.

Hardware und Erstinstallation

  • CPU: Intel XEON E5 2530v3
  • CPU Core´s: 4 vCore
  • RAM (garantiert): 1024 MB
  • RAM (Swap): 1024 MB
  • Festplatte: 20 GB SSD
  • IPv4 Adresse/n ink.: 1x
  • Traffic: Unlimitied (Fair Use/500GB)

Die nächste Überraschung gab es bei der Erstinstallation. Gerne hätte ich Debian 7 installiert, es stand aber nur die Version 6 zur Verfügung. Zur Verdeutlichung: Ich hatte den Server am 12. April 2015 bestellt. Damals war der Nachfolger, Debian 8, bereits angekündigt und erschien nur wenige Wochen später. Bei Ubuntu, Fedora und CentOS sah es nicht besser aus. Ubuntu konnte in der Version 12.04 LTS installiert werden, Fedora in der Versionen 17 und CentOS in den Versionen 5, 6 und 6.5. Aktuell wäre bei Ubuntu damals die Version 14.04.2 LTS, bei Fedora die Version 21 und bei CentOS die Version 6.6 gewesen.

Nichtsdestotrotz konnte ich mich weiterhin über die versprochene Leistung freuen. Denn der Server wurde nicht nur mit üppigen vier vCores ausgeliefert, diese sollten laut Anbieter auch noch uneingeschränkt nutzbar sein. Das war ungewöhnlich, denn der vServer war mit OpenVZ virtualisiert und damit lässt sich die CPU-Leistung nur schwer begrenzen. Die meisten Anbieter lösen dieses Problem mit einem eigenen Script, welches CPU lastige Prozesse killt. Diese Einschränkung ist meistens in den AGBs zu finden. Frei nach dem Motto „Versprechen ist gut, Kontrolle ist besser.“ habe ich zum Auslasten der CPU einen Bitcoin-Miner installiert. Nicht dass ich die Hoffnung auf den großen Gewinn hatte, aber der Miner war die erste Anwendung, die mir eingefallen ist, die bei einem tatsächlichen Nutzen die CPU voll auslasten konnte. Aber natürlich kam es, wie es kommen musste, der entsprechende Prozess wurde vom Anbieter beendet. Auch wenn ich dass genau so erwartet hatte, ist es, nachdem die AGBs die CPU-Nutzung nicht einschränken und der Anbieter die volle Leistung beworben hat, natürlich nicht in Ordnung gewesen. In einem Gespräch mit dem Anbieter habe ich das auch so zum Ausdruck gebracht, aber auch gesagt, dass ich das Script nur für einen Test installiert hatte.

United-ITSolutions SolusVM
SolusVM zeigt 8 TB Arbeitsspeicher an.

Ein weiteres Problem gab es mir dem Arbeitsspeicher. Nicht nur das sowohl Linux, also auch die Verwaltungsoberfläche SolusVM 8 TB als verfügbar anzeigten, diese ließen sich anfangs auch allokieren (Reservieren von Hauptspeicher). Erst nachdem mehrere Kunden das Problem gemeldet hatten, beschränkte United-ITSolutions den Arbeitsspeicher auf 1 GB pro Prozess. Der Anzeigefehler, sofern es einer ist, wurde jedoch bis heute nicht behoben.

Gameserver

Einige Wochen später hatte mich ein Freund gefragt, ob ich ihm ein Gameserver für das Spiel 7 Days to Die zur Verfügung stellen könnte. Mit einem Grinsen auf dem Gesicht bejahte ich seine Anfrage. Er war natürlich etwas verwundert, wusste ja nicht, dass ich diesen auf einen vServer für 1,45 € installieren wollte. Für die 10 von ihm gewünschten Slots wären bei einem Gameserver Anbieter etwa 8 € pro Monat fällig gewesen. Der mit durchschnittlich 3 Spielern belegte Server lief aber auf dem vServer ohne Probleme. Zumindest zwei Wochen lang, dann gab es auf einmal Probleme beim Verbinden. Da ich zu dem Zeitpunkt gerade wenig Zeit für Uhrsachenforschung hatte, wollte ich einfach schaue, ob ein einfacher Neustart das Problem lösen könnte. Zu meinem Leid ist der Server nicht wieder gestartet. Auch über die vom Anbieter angebotene Verwaltungsoberfläche SolusVM ließ sich der vServer nicht mehr starten. Also musste ich mich an den Support wenden. Nachdem der Support von United-ITSolutions fragte, was ich zuletzt gemacht hatte, obwohl dieses bereits in der Anfrage stand, konnte er ausschließen, dass der Fehler in deren Verantwortung liegt, und bad mich erneut, damit der Fehler gefunden werden kann, um eine genaue Beschreibung meiner letzten Handlungen. Da habe ich mich doch ernsthaft gefragt, wie ein Anbieter, ohne zu Wissen wo der Fehler liegt, seine eigene Schuld ausschließen kann. Auf lange Diskussionen, die wahrscheinlich auch zu keinem Ergebnis geführt hätte, hatte ich jedoch keine Lust. Also habe ich den Gamesrver anderswo installiert und den vServer bei United-ITSolutions einfach neu aufgesetzt. Anschließend lief er auch wieder und wurde ab und zu für Test und Ähnliches verwendet.

Übernahme durch ITP-Solutions UG & Co. KG

Am 25. November 2015 erhielt ich dann überraschend eine Mail, in der die Übernahme aller Kunden und Verträge von United-ITSolutions durch ITP-Solutions UG & Co. KG angekündigt wurde. Die vServer sollten bereits am nächsten Tag in das Rechenzentrum des neuen Anbieters migriert werden. Für mich persönlich war das, insbesondere weil ich meinen Server aktuell nicht brauchte und heruntergefahren hatte, kein Problem. Diejenigen, die dort aber einen Webserver betrieben und nun ihre DNS Einträge ändern mussten, waren sicherlich nicht so gelassen.

Probleme mit den Images und DNS-Servern

Kurz vor Weihnachten hatte ich schließlich wieder Bedarf an einem kleinen vServer. Doch neu aufsetzen ging nicht, denn ich hatte zwar die Zugangsdaten zum neuen Kundenbereich, aber keine zu einem vServer Verwaltungssystem. Also den Support angeschrieben und gefragt, wie ich den Server neu installieren könnte. Einen Tag später erhielt ich dann Zugangsdaten zu deren SolusVM. Die Frage, weshalb es die nicht bereits bei der Migration gab, habe ich mir einfach mal gespart. Anhand des generischen Benutzernamens vermute ich jedoch, dass nicht viele danach gefragt haben.

Erfreulich überrascht war ich, als ich gesehen habe, dass nun auch aktuelle Betriebssysteme wie Debian 8, CentOS 7 und Ubuntu 15.04 LTS zur Verfügung stehen. Die Freude hielt jedoch nur kurz, denn Debian 8 und co ließen sich zwar installieren, jedoch nicht starten. Der Support bestätigte mir dieses mit der Aussage, dass das Hostsystem noch kein Debian 8 unterstützt. Normalerweise gehe ich davon aus, dass die Voraussetzungen für die zur Verfügung stehenden Betriebssysteme erfüllt sind. Das nächste Problem war, das alle anderen Images bereits Dienste wie Apache2, bind und Samba vorinstalliert hatten oder einfach viel zu alt waren. Ein aktuelles Image ohne vorinstallierte Dienste, wie es oft als minimal bezeichnet wird, gab es einfach nicht. Also habe ich Debian 7 installiert, um dann festzustellen, dass die hinterlegten DNS Server nicht mehr existieren. Da ich das nicht selbst ändern konnte, musste ich erneut den Support von 24H-Hosting anschreiben, der die des alten Anbieters durch öffentliche ersetzt. Anschließend konnte ich endlich Debian 7 installieren, die unerwünschten Dienste entfernen und das Betriebssystem aktualisieren.

Neuer Anbieter neue Hardware?

  • CPU: Intel XEON E5 2620
  • CPU Core´s: 4 vCore
  • RAM (garantiert): 2048 MB
  • RAM (Swap): 0 MB
  • Festplatte: 80 GB
  • IPv4 Adresse/n ink.: 1x
  • Traffic: 1,95 TB

Bei der Übernahme durch die ITP-Solutions UG & Co. KG hieß es, dass sich an der zu erbringenden Leistung nichts ändern würde. Tatsächlich ist bei mir kaum noch eine Spezifikation so, wie sie vor fast einem Jahr vereinbart wurde. Zwar hat der vServer noch vier Kerne, aber anstelle eines Intel XEON E5 2530v3 mit 2,4 GHz pro Core ist nun ein Intel XEON E5 2620 mit 2 GHz pro Core verbaut. Statt 1 GB Arbeitsspeicher sind es nun 2 GB, bei dem Traffic können nun 1,95 TB anstelle der 500GB Fair Use verbraucht werden und auch die 20GB SSD wurden durch eine 80GB große HDD ersetzt. Trotz der schlechteren CPU und Festplatte ist der vServer meiner Meinung nach nun insgesamt besser, als der ursprünglich vereinbarte. Entsprechend sehe ich hier auch keinen Grund das ursprünglich Vereinbarte zu Vordern.