GoDaddy übernimmt die Host Europe Group

Der nächste Besitzer der HEG (Host Europe Group) steht fest. Für einen Preis von 1,69 Mrd. € konnte sich GoDaddy Inc., der mit Abstand größte Domain-Registrar der Welt, das in Hayes (Vereinigtes Königreich) ansässige Unternehmen sichern. Nur die Wettbewerbshüter müssen noch zustimmen. Die anderen Interessenten, wie etwa die Deutsche Telekom und United Internet, hatten sich bereits zuvor aus den Verhandlungen zurückgezogen.

Neben Host Europe gehören zur HEG unter anderem auch DomainFactory, PlusServer, server4you, sowie die britischen Hoster 123-reg und Heart Internet. Für die rund 1,7 Millionen Kunden bleibt zu hoffen, dass es mit GoDaddy an der Spitze ruhiger wird. Der aktuelle Besitzer, die europäische Private-Equity-Firma Cinven, sorgte zuletzt mit der Verlegung des Serverstandorts von Deutschland nach Frankreich für Unmut. Dabei sollten alle dedizierten und virtuellen Server von Host Europe, sowie sämtliche Dienste von Domainfactory in das 2015 von Intergenia übernommene Rechenzentrum „datadock“ in Straßburg überführt werden. Obwohl HEG das Rechenzentrum gebetsmühlenartig als hochmodern anpries und Hosting nach deutschen Datenschutzbestimmungen versicherte, beschwerten sich so viele, dass zumindest Domainfactory Kunden eine kostenpflichtige Option zum Erhalt des Serverstandorts Deutschland angeboten wurden. Ansonsten setzte Civen, die HEG 2013 für 509 mil. € kaufte, auf Expansion und übernahm dazu Telefonica Germany Online Services, Domainfactory und Intergenia.

Allerdings wird mehr als Hoffen für die Host Europe Group Kunden nicht bleiben, denn der US-Anbieter will zwar einen Großteil des HEG-Geschäfts integrieren, nennt dazu aber bisher keine genauen Details. Durchaus Vorstellbar ist Beispielsweise die Zusammenlegung von Tochtergesellschaften und deren Standorte, um Personal und Kosten zu sparen. Auch scheint sich der neue Eigentümer auf das Kerngeschäft konzentrieren zu wollen und nennt PlusServer, ein Anbieter für managed Hosting, in der Pressemitteilung wegen unterschiedlicher Geschäftsmodelle bereits als Verkaufskandidaten.

Pressemitteilung von GoDaddy

Anexia hat netcup übernommen

Der österreichische Anbieter anexia hat rückwirkend zum 1. November den deutschen Hosting-Anbieter netcup übernommen. In einer Pressemitteilung bezeichnen die beiden Unternehmen die Übernahme als strategische Allianz. Aber was ist damit gemeint?

Anexia wurde im Juni 2006 von Alexander Windbichler als Einzelfirma gegründet, um Web- und managed Hosting, sowie Individualsoftware-Entwicklung anzubieten. Anschließend wuchs das Unternehmen stetig und gründete 2009 mit der Tochterfirma Anexia Deutschland GmbH ihre erste Niederlassung in München. Zwei Jahre später wurde mit dem Standort Köln eine weitere Niederlassung in Deutschland eröffnet. 2012 setzte Anexia seine Expansion fort und eröffnete nicht nur einen zweiten Standort in der Heimat Österreich, sondern erschloss sich mit der Gründung der Anexia, Inc. und der Eröffnung des Standorts New York den Nordamerikanischen Markt. Mit der Übernahme des kanadischen Hosters ISQ Solution und des österreichischen Hosters emerion WebHosting GmbH begann Anexia 2015 ihre Geschäft auch auf Privatpersonen auszuweiten. Außerdem wurde im selben Jahr in Graz ein dritter Standort in der Heimat Österreich eröffnet.

Aber was hat Anexia mit der nun übernommenen netcup GmbH vor, dessen Dienste aktuell fast 50.000 gewerbliche wie auch private Kunden nutzen? Auch wenn das Unternehmen sich noch im Privatbesitz befindet, was gerne hervorgehoben wird, und die Beteiligten laut eigener Aussage eine freundschaftliche Beziehung haben, war der Kauf sicherlich kein Freundschaftsdienst, sondern eher Teil der aktuell von Anexia betriebenen Expansion. Schließlich wurden im vergangenen Jahr bereits zwei weitere Unternehmen mit ähnlichen Geschäftsfeldern erworben und langfristig soll damit sicherlich eine Rendite erzielt werden. Da netcup in der jetzigen Form bestehen bleiben soll, scheinen die in der Pressemitteilung aufgezählten Gründe für die strategische Allianz, wie die Übernahme dort bezeichnet wird, relevanter zu sein. Dort wird neben der gemeinsamen Entwicklung in den Bereichen Cloud Services, Internet of Things (IoT) und Industrie 4.0 auch von der Ausweitung der von netcup vertriebenen Produkte auf den internationalen Markt gesprochen. Der letzte Punkt scheint der wichtigste zu sein. Der deutsche Hosting-Markt hat seit vielen Jahren mit einem Überangebot und einem daraus resultierenden Preiskampf zu kämpfen. Entsprechend ist ein natürliches Wachstum in Deutschland nur mühsam und langsam möglich. Auch hat netcup mit einer englischen Seite (netcup.eu) bereits begonnen sich zumindest den europäischen Markt zu erschließen. Aber wahrscheinlich aufgrund fehlender Bekanntheit bisher nur einen mäßigen Erfolg gehabt. Anexia dagegen hat bereits Erfahrungen auf dem internationalen Markt und könnte hier sowohl im Bereich Marketing, als auch durch zusätzliche Standorte für einen Erfolg sorgen.

Trotz der Möglichkeiten für eine gemeinsame Expansion bleibt abzuwarten, ob die Pläne aufgehen und sich für Bestandskunden langfristig wirklich nichts ändert.

Pressemitteilung bei netcup | Pressemitteilung bei Anexia